Sitzananalyse
Gundula Lorenz mit ihrem Pferd Fabiola
Gundula's Pferd Chicco
Gundula's Pferd Fabiola
Gundula's Pferd Chicco & Gundula

Susannes Blog: Die Hormone verändern sich mit jeder Schwangerschaft, was hat das mit der Reiterei zu tun?

Susanne Hohenberg und Tochter Viktoria

Dadurch, dass die Geburten meiner Kinder sehr unterschiedlich waren (die erste sehr fremdbestimmt und interventionsreich im Sanatorium, die zweite sehr selbstbestimmt in Ruhe zu Hause), war auch die Zeit danach jeweils anders.

 Nach der ersten Geburt habe ich einige Tage benötigt um wenigstens einigermaßen normal aufstehen/sitzen etc. zu können und erst nach ca. 12 Wochen, in denen ich viele Übungen, Yoga und lange Spaziergänge gemacht hatte, fühlte ich mich bereit, wieder aufs Pferd zu steigen.

Die zweite Geburt war unheimlich sanft und dadurch war ich gleich wieder auf den Beinen und topfit. Sofort nach der Geburt bin ich quasi „aufgesprungen“ und unser Leben ging ganz normal weiter. Ich kümmerte mich von der ersten Minute an um beide Kinder alleine (Hilfe war dank Corona keine vorhanden). So hatte ich auch bereits einen Tag danach das Gefühl, wieder reiten zu können. Da die Ausgangsbeschränkungen aber noch vorhanden waren, blieb ich in dieser Zeit noch zu Hause. Doch jede Mami weiß wovon ich spreche….alleine mit einem Vierjährigen, einem Säugling und einem Hund zu sein ist das reinste Fitnessprogramm ?.

So kam es, dass ich erst vor ein paar Wochen wieder mit dem Training der Pferde begonnen habe. Man könnte meinen, dass ich gleich wieder „normal durchgestartet“ bin. Doch vor lauter Euphorie und Freude an der Sache habe ich vergessen dass, egal wie fit man ist, die Hormone eine große Rolle spielen. Eben diese machen unser Gewebe, unsere Sehnen und Bänder in der Schwangerschaft und für die Geburt weicher. Dies bekam ich dann vor allem immer zu spüren, nachdem ich Pferde mit mehr „Gang“ geritten habe. Größere Bewegungen der Pferde fordern in einem gewissen Maß auch mehr Flexibilität vom Reiter, bei normalerweise gleichzeitiger geschmeidiger Stabilität. Diese ist bei mir nun nicht ausreichend vorhanden und hat mir einige Tage ordentliche Rückenschmerzen verursacht (wer mich kennt weiß, wenn ich ordentlich sage, meine ich damit auch wirklich ordentlich).

Als vorübergehende Lösung habe ich einen elastischen Stützgurt in Verwendung, mit dem ich die fehlende Stabilität in der Körpermitte kompensiere. Und für alle, die sich fragen „warum sitzt sie nicht einfach ordentlich?“-  ich nehme den Stützgurt, damit ich die Stabilität nicht mit Muskelkraft herbeiführen muss. Mit jedem Muskel, den ich zu viel anspanne, gebe ich auch dem Pferd einen (ungewollten) Impuls. Da wir unsere Pferde immer feiner und aufmerksamer machen wollen, wäre eine derartige Überladung mit Hilfen kontraproduktiv.  Denn wenn ich meine Körpermitte etwas mehr anspanne und mich aufrichte, ist dies normalerweise ein Zeichen für meine Pferde, auf der Stelle anzupiaffieren. Sollte ich nun um mich zu stabilisieren vielleicht auch noch meine Beine und evtl. sogar meine Zügel benutzen, würde ich mein Pferd restlos verwirren.  Um dies zu vermeiden und meinem Körper behutsam wieder an die Belastung zu gewöhnen, kann ich „von außen“ helfen.

Der Stützgurt ist momentan für mich eine angenehme Variante, damit ich schön geschmeidig in der Bewegung mitgehen kann. Da ich unverkrampft mitschwingen kann, spüre ich genau was mein Pferd braucht und welche Hilfe in welchem Moment angebracht ist.

Und die Moral von der Geschicht: Vergiss auf die Hormone nicht.


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