Jungpferdetraining mit Vertrauen: Wie die fast 3 jährige Caati neue Wege aufzeigt
Bodenarbeit mit Jungpferden: Warum die gemeinsame Sprache am Boden beginnt
Wenn man glaubt zu wissen, wie es funktioniert, hat meine kleine (eigentlich junge, denn so klein ist sie nicht mehr) Stute Caati eine andere Idee.
Caati wird am 3. April drei Jahre alt, und die ersten Ausbildungsschritte haben bereits begonnen – am Boden. Denn wie ihr wisst, beginne ich mit meinen Pferden am Boden, eine gemeinsame Sprache zu finden und auch ihre Beine zu koordinieren, bevor ich sie unter den Sattel nehme.
Caati ist jedoch ganz ein besonderes Pferd, mit sehr viel Selbstbewusstsein und auch eigenen Ideen. Ich würde sogar sagen: Bevor sie klein beigibt, geht sie in den Angriff. Um ihre Ausstrahlung zu behalten und ein gutes Verhältnis aufzubauen, geht es also auch darum, ihr zwar Grenzen aufzuzeigen, ihr aber stets das Gefühl zu geben, als wäre es ihre Idee gewesen ...
Vertrauensaufbau statt Machtkampf: Was sensible Jungpferde wirklich brauchen
Unsere ersten Führaktionen im 60x20 Viereck sahen so aus, dass sie mir ganz schnell immer entwischte. Sie war so schnell – und schwups war der Strick aus meiner Hand, und sie genoss es, das ganze Viereck für sich zu haben und in energiegeladenen Bewegungen zu zeigen, dass sie „das Sagen“ hatte.
Auch aus dem Einfangen wurde für sie ein Spiel. Also war von meiner Seite her ein Umdenken angesagt, denn Austoben am Viereck gibt es bei mir eigentlich nur auf Erlaubnis und nicht, weil man gerade Lust dazu hat.
Über einige Wochen übte ich also Führen, Halten und Rückwärtsgehen nur in der Stallgasse. Diese ist auf einer Seite von der Bande des Vierecks und auf der anderen Seite von den Boxen begrenzt.
Freiarbeit im Viereck: Wie Caati lernte, freiwillig bei mir zu bleiben
Auch spielte ich mit ihr „Ich streichle Dich mit der Gerte oder auch einer Fahne – und streichle Dich so lange, bis Du die ersten Entspannungszeichen zeigst“ – verbunden mit dem Worten „ist ok“. Wenn sie am Paddock ihrer Box war, rief ich sie in die Box und es gab eine Karotte.
Nach diesen Spielerein, wie es manche bezeichnen würden – ich nenne es lieber Vertrauens- oder Bindungsaufbau – merkte ich schon, wie sie immer, wenn ich den Auslauf betrat, zu mir steuerte, um ein paar Streicheleinheiten zu bekommen.
Jetzt war der Moment gekommen, um herauszufinden, ob meine Ideen Früchte tragen würden.
Wir betraten, dass große Viereck und übten gleich mal das Kreuzen der Hinterbeine – hier als mentale Übung nicht wegzulaufen – ein paar Meter gerade und dann wieder das Kreuzen der Hinterbeine mit immer wieder kehrender Aufforderung zur Entspannungshaltung samt Abkauen.
Und jetzt, nachdem sie mit all ihren Sinnen immer bei mir war, löste ich den Karabiner und ließ sie ohne Strick noch ein paar Meter neben mir gehen, dann öffnete ich beide Arme und gab sie mit den Worten „Frei“ frei. Wie ein Wirbelwind genoss sie im Viereck ihre Energie freien Lauf zu lassen und tobte, wie es sich für ein junges Pferd gehört.
Einige Minuten sah ich zu – und nachdem sie zur Ruhe kam, hockte ich mich in die Mitte des Vierecks und rief sie. Es dauerte nicht lange und sie trabte auf mich zu. Mein Herz hüpfte vor Freude, denn mein Grübeln, wie es funktionieren könnte, hat sich ausgezahlt.
Wenn Pferde neue Wege zeigen: Warum Umdenken in der Ausbildung zum Erfolg führt
Nach diesem Erlebnis gab es nur mehr einen Ausbrechversuch, der aber von mir unterbunden werden konnte - juhuuuuu 😊. Und als Zugabe bekam ich eine Stute, die trotz Sturm und wildem Herumlaufen der anderen Pferde am Auslauf mit ihren ganzen Sinnen bei mir ist – wenn einmal nicht, heißt es „Caati, es ist ok“.
Diese Erfahrung nehme ich auf alle Fälle mit in ihre Ausbildung, vielleicht muss man sie ja wieder einmal üben.
Oft passieren Situationen, die Anlass sein sollten, um umzudenken, andere Wege zu gehen und so ein Ergebnis zu erzielen, von dem man geträumt hat.
Eure Gundula