Kruppbewegung unter der Lupe
Kruppbewegung des Pferdes: Was sie über Gesundheit und Losgelassenheit verrät
Kennst Du das Gefühl: Du sitzt auf Deinem Pferd und fragst Dich, ob es wirklich losgelassen geht? Ob die Bewegung gleichmäßig durch den Körper schwingt? Ob es sich gesund und funktionell bewegt oder ob irgendwo eine kleine Stolperfalle verborgen liegt, die Du noch nicht erkennen oder fühlen kannst?
Mach mal die Augen zu und spüre: wie atmet Dein Pferd, wie ist die Position seines Rückens – geht es über die Rückenbrücke oder ist es angespannt und drückt den Rücken etwas weg? Denn Pferde sind Fluchttiere und schon geringe emotionale Anspannung merkt man an der „Rückensilhouette“ und somit auch an der Bewegung. Man hat das Gefühl sie bleibt hinter dem Sattel stecken. Oder hast Du auch schon mal genau hin gespürt, wie sich das Becken, nennen wir es einfachhalber Krupp, denn das ist ja das, was man sieht, Deines Pferdes bewegt?
Auffällige Kruppbewegung beim Pferd erkennen: Mögliche Ursachen im Überblick
Wenn wir das Pferd von hinten betrachten, sehen wir eine rechte Krupphälfte und eine linke, die quasi dem Rücken anschließen. Und wenn wir jetzt mal das Pferd von einer Person von uns wegführen lassen, sehen wir, dass sich die eine Kruppseite mal senkt, während sich die andere hebt. So bewegt sich die Kruppe im Schritt in einem charakteristischen dreidimensionalen Bewegungsmuster und liefert dem Trainer wertvolle Information über mögliche Asymmetrien.
Für eine harmonische Bewegung solltest du, wenn Du das Pferd von hinten auf der Geraden betrachtest, im Idealfall folgendes Bewegungsmuster beobachten können: ein gleichmäßiges Anheben und Absenken beider Kruppseiten, einen regelmäßigen Wechsel zwischen rechter und linker Seite, eine weiche, elastische Bewegung ohne Ruckeln, eine harmonische Schwingungsübertragung über Rücken und Becken auf die Lendenwirbelsäule. Um die Kruppbewegung ganz einfach zu beschreiben, könnte man sagen: Es ist eine Mischung aus einer Lurch- und Entenbewegung.
Zur Vollständigkeit möchte ich auf alle Fälle auch erwähnen, dass sich die Krupp-Bewegung mit der Ausbildung des Pferdes natürlich verändert. Je besser sich ein Pferd versammeln kann, desto ,lurchartiger‘ wird die Kruppbewegung und je mehr ein Pferd im Hohlkreuz läuft, desto ,entenartiger‘ ihre Bewegung.
Wollen wir uns abweichende Bewegungsmuster ansehen. Auffälligkeiten können sein, dass sich eine Seite deutlich höher als die andere hebt, eine Seite steifer oder weniger beweglich wirkt, eine Kruppe stärker zu einer Seite abkippt und dadurch eine unregelmäßige und/oder asymmetrische Bewegung entsteht.
Warum es zu Auffälligkeiten kommen kann, können verschieden Ursachen sein und sie sollten im Training miteinbezogen werden.
Sollte jedoch eine Krupphälfte immer oben gehalten werden und das gleichseitige Bein in der Stützbeinphase auffällig sein, kann man dies mit einem SCHONEN in Verbindung bringen und unbedingt tierärztlich abgeklärt lassen.
Eine tiefere Kruppbewegung kann auf ein nicht gerade gerichtetes Pferd deuten. Meist geht es um die rechte Beckenhälfte, auf Grund der Anordnung der Gedärme im Bauchraum der daraus folgenden natürlichen Schiefe, wird das rechte Hinterbein gerne nach hinten hinausgestellt und nicht so gerne unter den Schwerpunkt gebracht.
Am Pferd sitzend spürt man da auch ein vermehrtes tieferes Abkippen der rechten Krupp: Es muss also nicht immer der Sattel sein – nein, es ist ein Suchen, wo welche Bewegung wen beeinflusst. Denn sowie ich reiterlich ein abkippendes Becken durch evtl. einem Schulterherein korrigieren kann, kann auch der Reiter durch ein einseitig nicht so bewegliches Becken das Pferd in eine auffällige Kruppbewegung bringen.
Geradegerichtetes Pferd durch gezieltes Training: Die Bedeutung einer symmetrischen Kruppe
Das Ziel im Training ist eine symmetrische Kruppbewegung.
Auch beobachte ich bei jungen oder muskulär noch nicht ganz stabilen Pferden, dass sich am Zirkel, also in der Längsbiegung, immer die äußere Krupp weiter absenkt als die innere. Und das auf beiden Seiten, egal ob ich linksherum oder rechtsherum am Zirkel reite. Das ist für mich ein normales Bewegungsmuster, und ich darf noch an einer stabilen Beckenbewegung im Training arbeiten. Sollte nur auf der linken Hand eine Beckenhälfte immer abkippen, darf ich mir schon mehr Gedanken machen ...
Also ihr seht: Dem Pferd mal genau auf den „Popsch“, pardon: die Kruppe zu sehen, gibt wichtige Infos, um das Training individuell zu gestalten. Teilt mir gerne Eure Erfahrungen mit, ich bin immer neugierig … 😊
Eure Gundula