Sitzananalyse
Gundula Lorenz mit ihrem Pferd Fabiola
Gundula's Pferd Chicco
Gundula's Pferd Fabiola
Gundula's Pferd Chicco & Gundula

ProPferd.at: Gundulas Blog:
Husten im Winter & wie TCM dabei helfen kann

Für manche Pferde ist die kalte Jahreszeit häufig mit Husten und Erkältungen verbunden. So beobachte ich z. B. jedes Jahr, dass sich mein alter Herr Chicco (28 Jahre alt und gewiss mit einigen arthrotische Veränderungen in den Gelenken), schwerer tut mit seinem Bewegungsapparat, sobald es in die feuchte kalte Jahreszeit geht – und dass ab und zu auch schon mal ein Huster dabei ist.

Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hängt beides zusammen – was auf den ersten Blick für uns eher seltsam klingt. Dennoch hat diese Perspektive einiges für sich – ich will versuchen, das auf einfache, laienhafte Weise näher zu erklären:

In der Traditionellen chinesischen Medizin werden die Dinge etwas anders gesehen als in der westlichen 'Schulmedizin'. Gesundheit wird in der TCM als ein dynamisches Gleichgewicht betrachtet, das sich ständig an die verändernden äußeren und inneren Bedingungen / Verhältnisse anpasst – so gut und so optimal es der Körper vermag. TCM denkt sehr vernetzt und betrachtet immer Körper, Seele und Geist in einem ganzheitlichen Ansatz. TCM kommt für die Behandlung zahlreicher Beschwerden in Frage, kann aber auch präventiv eingesetzt werden, da sie die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktiviert. Somit passt sie auch wunderbar in mein Konzept.

Die westliche Medizin sieht Husten als Husten, doch in der TCM gibt es verschiedene Arten der Disharmonie, wie bzw. warum Husten entstehen kann – und welche Behandlungen daraus folgen.
Bleiben wir bei meinem alten Herrn Chicco: Seine Gelenke haben ganz gewiss arthrotische Veränderungen (was bei seinen Kniegelenken auch röntgenologisch bestätigt ist). Da das Training so abgestimmt ist, dass die Muskulatur seine Gelenke optimal unterstützt, kommt er damit gut zurecht.
Das Wort Arthrose gibt es in alten medizinischen Schriften nicht. Es gibt aber Krankheiten, die ähnlich beschrieben werden. Demnach kam es zu einem Ungleichgewicht im Körper, das durch äußere pathogene Faktoren wie Wind, Feuchtigkeit oder Kälte hervorgerufen wurde.

Was ich damit sagen will: Wenn Arthrose schon ein ,Zuviel' an Feuchtigkeit, Schleim im Körper ist und dann auch noch das feuchte, kalte Wetter hinzukommt, neigt mein Chicco viel schneller zu Husten als ein Pferd, dessen Gelenke in Ordnung sind.

Das Tolle an TCM ist, dass sie sich der Phytotherapie (Verwendung von Kräutern) bedient. Kräuter werden eingeteilt in wärmend, kühlend und auch neutral.

So kann ich Chicco in der kalten Jahreszeit mit ,wärmenden‘ Kräutern wie Zimt, Ingwer, Kren helfen (Achtung: alles genannten sind warm bis heiß aus Sicht der chinesischen Medizin).
Ich habe noch gelernt, dass mehrere Kräuter gemischt werden, davon wärmende, kühlende und auch neutrale. Je nachdem was man möchte, mischt man drei wärmende und ein kühlendes und ein neutrales Kraut – so hat man eine wärmende Wirkung. Hat man mehr kühlende, ergibt es eine kühlende Wirkung.

Manchmal wird auch von Tierärzten Ingwer bei arthrotischen Pferden verschrieben, doch Achtung, wenn das Wetter wieder besser und wärmer wird, kann es dem Organismus zu warm werden und es zu Kreislaufproblemen kommen.

Auch kennen wir, dass wir Pferde mit Husten bewegen (ohne zu schwitzen!) sollen, damit der Schleim ausgehustet werden kann und der Körper sich auch erwärmt, somit aus TCM-Sicht „auftrocknet“.

Eine weitere Disharmonie kann ein sogenannter Lungen Yin-Mangel sein, der ebenfalls zu Hustenreiz führt.

Yin ist das Gegenteil von Yang. Yang ist die Wärme, Lebensenergie und Kraft, um den Tag aktiv zu gestalten. Yin ist die Materie, die Substanz, Blut und Körpersäfte. Yin ist die Ruhe und sorgt für einen guten Schlaf. Dieser Lungen Yin-Mangel kann durch trockene, staubbelastete Luft hervorgerufen werden – Staub vom Stallgassen zusammenkehren, Heustaub oder auch staubenden Hallensand, da es zu kalt ist, um den Hallensand zu bewässern.

Hier kann man mit isländisch Moos - Irisch Moos - Abhilfe schaffen. Am besten man setzt es über Nacht in Wasser an, kocht es am nächsten Tag kurz auf und mengt es dem Futter bei. Dadurch werden die Schleimhäute befeuchtet und der Hustenreiz gestillt.

Schließlich gibt es auch noch den nervösen Husten – in der TCM eine Disharmonie im Leber Qi. Auch den sollte man bei Pferden nie vergessen. Diese Disharmonie ordne ich aber nicht nur der kalten Jahreszeit zu.

Mir fällt immer wieder auf, dass es auch zu Husten kommt, sobald die Pferde bei der Bewegung tiefer atmen – ungefähr so, als würden wir bei kaltem Wetter laufen gehen und die kalte Luft unseren Kehlkopf reizt. Auch hier gebe ich meinen Pferden dann isländisch Moos zum Futter dazu.

Ihr seht also: Husten ist nicht immer gleich Husten. Und ich finde es immer spannend, Geschehnisse im Körper mal von einer anderen Seite zu betrachten. Vielleicht hab ich Euch ja neugierig gemacht, und ihr forscht selbst noch ein wenig über Kräuter und ihre Wirkung, nach dem Motto: „Gegen alles ist ein Kraut gewachsen!“

Artikel vom 15.12.2020 auf ProPferd.at